Untersuchungen zur Einführung eines Web-GIS bei einer Wohnungsbaugesellschaft

Als um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert die erste Phase der industriellen Revolution einsetzte, war sie verbunden mit einem nahezu vollständigen Umbruch der alten Gesellschafts- und Sozialordnung. Die seither stetige Entwicklung der Industriestandorte war gekennzeichnet durch einen hohen Bedarf an Arbeitskräften als ungelernte Lohnarbeiter. In den Ballungsgebieten und Städten Deutschlands entstanden infolgedessen in wenigen Jahrzehnten Massenquartiere auf der Grundlage von Bodenspekulation und Mietwucher. Hinzu kam eine zuvor nie da gewesene Entwicklung des Bevölkerungswachstums, die in manchen Gebieten Deutschlands Mitte des 19. Jahrhunderts innerhalb von 20 Jahren bis zu 30% erreichte. In dieser Zeit gründete sich in Berlin die „Gemeinnützige Baugesellschaft“, die in der Folgezeit durch die Bildung von Mietgenossenschaften an Bedeutung verlor. Allerdings kann dieser Gesellschaft der Grundgedanke der deutschen Wohn- und Baugenossenschaften zugerechnet werden.
Seither entwickelten sich diese Genossenschaften zu Wirtschaftsunternehmen, die nicht nur Wohnraum zur Verfügung stellen, sondern auch als Bauträger, Gewerbeflächenanbieter oder Partner bei Flächenentwicklungsprojekten agieren. Im heutigen Zeitalter der Informationstechnologie lassen sich diese Unternehmen zur Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben von vielseitigen Softwareprodukten unterstützen. Diese speziellen Softwarelösungen bieten neben der Verwaltung des vorhandenen Wohnungsbestandes auch die finanztechnische Verwaltung der Mietverhältnisse. Das bedeutet, dass zum einen der zur Verfügung stehende Wohnraum hinsichtlich der Beschreibung der Objekte verwaltet wird. Zum anderen wird die komplette Mietkontenverwaltung mit Kostenrechnungen oder Mieterhistorien in diesen Software­lösungen geführt. Neben diesen reinen kaufmännischen Anwendungen gibt es weitere Produkte, mit denen sich die eigenen Wohnobjekte hinsichtlich der baulichen Substanz verwalten lassen. Dabei stehen die Erhaltung der Objekte und die Entwicklung von Sanierungskonzepten im Vordergrund.
Den marktüblichen Softwareprodukten fehlt es in der Regel an Komponenten, durch die ein Raumbezug der Wohnobjekte ermöglicht wird. Neben den alphanumerischen Informationen mangelt es oftmals an Möglichkeiten, die Liegenschaften auch in digitalen Karten darzustellen. Es ist jedoch gerade bei einem großen Immobilienbestand sinnvoll, auch die Möglichkeit zu haben, innerhalb der dargestellten Liegenschaften zu navigieren, um zu einem ausgewählten Objekt die entsprechenden Informationen einzusehen. Die Lösung für solche Forderungen ist die Nutzung von geographischen Informationssystemen (GIS), die Sachinformationen mit raumbezogenen Geometrien verbinden. Der erhebliche Mehrwert, der durch eine solche Kopplung entsteht, beruht nicht nur auf der erweiterten Sichtweise des Anwenders auf die Wohnobjekte, sondern auch auf den räumlichen Analysemöglichkeiten, die durch ein GIS ermöglicht werden. Abgesehen davon, dass thematische Kartenbilder leichter zu interpretieren sind, als reine Tabellendaten, werden räumliche Fragestellungen beispielsweise nach Entfernungen zwischen Wohnobjekten und Bushaltestellen oder Einkaufszentren wesentlich effizienter beantwortet. Sobald die längst vorhandenen und die durch ein GIS neu gewonnenen Informationen an einer Stelle vorliegen, entsteht der Wunsch, diese auch an nahezu beliebiger Stelle zu nutzen. Das bedeutet, dass die Nutzung der Informationen nicht nur einem kleinen Anwenderkreis zugänglich sein soll, sondern die Daten für alle Mitarbeiter einer Gesellschaft zur Verfügung stehen. Diese Forderung erfüllt die GIS-Technologie in Verbindung mit den Möglichkeiten des Internets. Sowohl graphische als auch Sachinformationen können mit Hilfe von webbasierten Geoinformationssystemen über einfache Internetbrowser an beliebigen Orten zur Verfügung gestellt werden.